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Ein Aussenseiter, der nicht chancenlos ist

02.06.2018

Der FC Black Stars tritt in Bellinzona zum Barrage-Rückspiel an.

 

Heute Nachmittag (17.30 Uhr; Stadio Comunale) versucht der Basler Erstligist, die 1:2-Hypothek auf dem Hinspiel wettzumachen. Der frühere A-Ligist erwartet über 2000 Tifosi – und dies trotz Live-Übertragung im Fernsehen.

 

Von Georges Küng

 

Einen ersten Vorgeschmack auf das Rückspiel bekamen Spieler, Trainerstab und Klublei­tung des FC Black Stars am letzten Mittwoch zu sehen respektive zu hören. Eine 25-Mann starke Tifosi-Schar machte das Hinspiel, trotz gut 700 Basler Zuschauern, stimmlich zu ei­nem Heimspiel für die AC Bellinzona. 90 Minuten lang wurde gesungen (gut, die Fange­sänge im Tessiner Dialekt waren meist nicht gänzlich jugendfrei…), geklatscht und gefeiert – euphorisch, aber stets im Rahmen des Erlaubten und der Fairness.

 

Heute Nachmittag werden im Stadio Comunale über 2000 Anhänger erwartet – die „Curva Nord“ (die es schon zu den besten Nationalliga-A-Zeiten gab) hat aufgerufen, Präsenz zu markieren und die Stimmbänder nicht zu schonen... obwohl der Match im TV Ticino (Inter­net-Fernsehen) live übertragen wird. Was auch mittwochs der Fall war.

 

„Bellinzona ist in vielen Bereichen bereits professionell aufgestellt; sie sind kein Quartier­klub wie wir“, so der Tenor einiger Black-Stars-Exponenten, als sie sahen, dass der ACB-Gesamtvorstand und langjährige Mitglieder des „Club Cento“ (Hunderterklub), teils Kory­phäen aus alten Nationalliga-Zeiten, auf dem Buschweilerhof zugegen waren. Und Trainer Luigi Tirapelle (54), ein gebürtiger Italiener, kennt den Tessiner Fussball aus früheren Tä­tigkeiten bei Chiasso, Mendrisio, Balerna und Locarno. „Er ist der ideale Mann, um die Entwicklung fortzuführen; wir wollten keinen grossen Namen mit Meriten im italienischen Fussball, sondern ein Mann, der Junge weiter entwickelt und mit dem Tessin verbunden ist“, so ein Vorstandsmitglied vor Anpfiff am Mittwochabend.

 

Bellinzona verfügt über ein 26 Mann-Kader, „da kann man Ausfälle gut kompensieren“, er­klärte Black-Stars-Trainer Samir Tabakovic am Mittwoch gegen Mitternacht. Sein Kader ist quantitativ wesentlich knapper bestück – und nach dem Platzverweis von Sidy Dieng fehlt ihm jener Mann, der gewöhnlich als 12. Akteur eingewechselt wird und oft für neuen (Auf-)Schwung, und Tore, sorgte.

Aber in Basler Reihen herrscht Optimismus. „Wir werden zu unseren Chancen kommen; wir werden mehr Räume vorfinden und mit schnellem Kombinationsspiel, und finalen Päs­sen in die Tiefe, können wir Zählbares erreichen“, so Bledar Binaku. „Aber wir dürfen uns in der Defensive keine Aussetzer leisten, müssen kompro­misslos verteidigen. Und das Ambiente, sowie die ungewohnte Kulisse, müssen für uns kein Nachteil sein. Diese Fak­toren können auch Druck für den Gastgeber sein, der je nach Spielverlauf nervös wird“, er­gänzt Torhüter Steven Oberle, der wohl im Mittelpunkt stehen wird.

 

Denn trotz der Niederlage hat die Mittwochspartie gezeigt, dass Black Stars und Bellinzo­na, substanziell, sehr nahe liegen. Und Matches werden weiterhin auf dem Spielfeld ent­schieden – egal, ob das eine Umfeld (Budget, Infrastruktur, personelle Ressourcen) be­reits einige Klassen höher „spielt“ (agiert) als der Gegner.